Einfach nur wegsehen löst keine Probleme

„Störungsmelder on tour“ ist zu Gast in der Realschule I in Stolberg. Nachrichtensprecherin Dunja Hayali spricht mit Jugendlichen über Rechtsradikalismus. Engagement ist wichtig. Die Schüler sind begeistert. 


Stolberg. „Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Man muss eben handeln.“ Dunja Hayali weiß, wovon sie spricht, wenn es um das Thema Rechtsextremismus geht. Wo viele Menschen nämlich immer noch wegsehen und das Problem einfach ignorieren, engagiert sich die Nachrichtensprecherin vom „heute journal“.

„Auf Augenhöhe“

Mit dem Verein „Gesicht Zeigen!“, der bundesweit Schulbesuche mit dem Projekt „Störungsmelder on tour“ organisiert, geht die 34-Jährige in Schulen und spricht dort mit den Jugendlichen. „Auf Augenhöhe mit den jungen Leuten“, betont Hayali, die von dem erhobenen Zeigefinger nicht sonderlich viel hält.

Das würde auch nicht zu „Störungsmelder“ passen, erklärt Johanna Schwarz vom Verein „Gesicht Zeigen!“, die gestern mit ihrer Kollegin Anne Frölich und Dunja Hayali in der Realschule I in Stolberg war. „Störungsmelder“ ist ein Webblog, der Jugendlichen ein Forum bietet, sich gegen Rechts zu engagieren. Nicht nur Jugendlichen, auch allen anderen, die sich engagieren wollen, was von vielen Prominenten wie eben Dunja Hayali oder Markus Kavka (Moderator beim Musiksender MTV) und Ole Tillmann (Moderator beim Musiksender Viva) unterstützt wird.

Bei den Schulbesuchen steht der direkte Austausch mit den Jugendlichen im Vordergrund, die Schüler der zehnten Klassen sitzen im Kreis und reden über persönliche Erlebnisse mit Rechtsradikalen, über ihre Sorgen, über rechte Tendenzen in ihrer Umwelt und werden ermutigt, zu handeln.

Schüler, erklärt Ferdinand Küpper-Jacobs, Leiter der Realschule I, seien oft Zielgruppe von Rechtsextremen und erinnert an die Schulhof-CDs, die an Schulen von Rechten verteilt worden sind. Gegen so etwas sei man als Schule fast machtlos und man könne sich nur fragen, wie man darauf reagieren soll, so Küpper-Jacobs.

In der Realschule I hat man sich unter anderem für das „Störungsmelder“-Projekt entschieden und der Erfolg ist offenkundig: Die Schüler sind begeistert.

Besonders der Erfahrungsaustausch mit den Mitschülern ist für die Jugendlichen interessant. „Es ist wirklich gut, über solche Dinge mal offen zu sprechen“, sagt Sezay Saltan. Für den Schülersprecher hätten sogar noch mehr Themen angesprochen werden können. Das sieht Amtskollegin Michelle Schäfer ähnlich. Leider habe am Ende die Zeit nicht mehr ganz gereicht, um weitere Themen zu anzuschneiden.

Dass mit Dunja Hayali eine aus dem Fernsehen bekannte Journalistin in ihre Schule gekommen ist, war für die Jugendlichen auch etwas Besonderes. „Es ist schon anders, wenn ein Prominenter mit den Schülern spricht“, räumt auch Johanna Schwarz ein. Das Interesse der Schüler sei einfach größer, wobei Dunja Hayali das nicht nur vom Bekanntheitsfaktor abhängig machen will. „Es hat auch etwas damit zu tun, wenn es nicht der Lehrer ist, der vorne steht. Lehrer ist eben Lehrer“, so die 34-Jährige, was Geschichtslehrerin Silke Matthes kopfnickend bestätigt.

Transferleistung

Sicher spielt aber auch das Konzept hinter „Störungsmelder“ eine Rolle. Wichtig sei, dass die Jugendlichen selbst erzählen und dass man sich auf die Gegenwart der Jugendlichen einstellt, erklärt Anne Frölich. „Man muss sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren“, weiß auch Jugendpfleger Josef Offergeld, denn dann bliebe etwas bei den jungen Leuten hängen. Anders als zu ihrer eigenen Schulzeit, erinnert sich Dunja Hayali, während der Radikalismus lediglich im Geschichtsunterricht behandelt worden sei. „Es muss eine Transferleistung stattfinden und man muss sich die Frage stellen, was bedeutet das eigentlich für uns?“ Denn das Thema betreffe alle und daher sei es so wichtig, Verantwortung zu übernehmen und nicht wegzusehen. 

Beziehen Stellung gegen Rechtsextreme: Schulleiter Ferdinand Küpper-Jacobs, Jugendpfleger Josef Offergeld, das Schülersprecher-Team Michelle Schäfer und Sezay Saltan sowie Nachrichtensprecherin Dunja Hayali, Anne Frölich
 und Johanna Schwarz vom Verein „Gesicht Zeigen!“ und Lehrerin Silke Matthes (v.l.). Foto: V. Kettenhofen 


Stolberger Nachrichten vom 06.12.2008
Von Verena Kettenhofen

 

 


Die Schülersprecher Sezey Saltan und Michelle Schäfer übergeben Dunja Hayali ein kleines Präsent.

 

 

Dunja Hayali zu Besuch in der Realschule I

Stolberg. Der Verein „Gesicht Zeigen!“ organisiert derzeit bundesweit Schulbesuche mit dem Projekt „Störungsmelder on tour“, um mit Jugendlichen über das Thema „Rechtsradikalismus“ zu sprechen. Das Besondere dabei ist, dass sich für das Projekt auch viele Prominente stark machen und es aktiv unterstützen.

Gestern war der Verein in Stolberg, genauer in der Realschule I. Mit Schülern der zehnten Klasse hat sich dort die ZDF-Nachrichtensprecherin Dunja Hayali unterhalten. Mit ihrer lockeren, frischen Art kam die 34-Jährige gut bei den Schülern an, und auch das Thema an sich bewegt die Schüler, wie Schulsprecher Sezay Saltan bestätigte: „Es ist gut, einmal darüber zu sprechen. Man erhält so interessante Einblicke.“

Persönliche Erlebnisse mit Rechtsradikalen und die eigenen Sorgen standen bei dem anderthalbstündigen Gespräch, bei dem auch zwei Pädagoginnen vom Verein „Gesicht Zeigen!“ dabei waren, im Vordergrund. Themen wie Zivilcourage und Gegenstrategien wurden dabei ebenfalls behandelt. Die Realschule I in Stolberg ist die neunte Schule, die der Verein innerhalb von vier Monaten besucht hat. (ket) 

Mehr dazu unter: www.gesichtzeigen.de 

 

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Von Verena Kettenhofen